Wie man entscheidet, welche Idee man als Nächstes schreibt

Ideen überfallen ein überall: Auf einer längeren Zug- oder Autofahrt, wenn man stimmungsvolle Musik hört, bei einem Spaziergang … oder manchmal sogar unter der Dusche. Wenn man viele Ideen hat, ist es manchmal schwer, sich für eine davon zu entscheiden. Was soll man als nächstes schreiben? Woher weiß man, welche Idee die richtige ist? Die Entscheidung ist wichtig, denn schließlich verbringt man viele Monate, wenn nicht sogar Jahre damit, die Geschichte zu Papier zu bringen. In diesem Post möchte ich einige Hilfestellungen geben, die dabei helfen können, sich für eine Idee zu entscheiden.

Eine Liste für den Überblick

Wenn ich eine neue Idee bekomme, notiere ich sie mir als erstes. Das kann in einem Notizbuch sein, auf einem Post-it, direkt ins Handy – Hauptsache, die Idee wird aufgeschrieben, bevor sie in Vergessenheit gerät. Zu gegebener Zeit trage ich alle Ideen auf meiner Ideenliste zusammen. Das ist eine Datei in der Notizen-App auf meinem Handy, auf der all die Ideen stehen, die ich zwischendurch habe. Das können Dialogschnipsel sein, oder aber kurze Pitches, in denen ich die Ideen kurz anreiße. Wenn ich dann nach einiger Zeit wieder auf die Liste schaue, formuliere ich die Ideen bei Bedarf weiter aus. Manchmal ist es dann zu viel Text für die Liste, sodass die Idee eine eigene Datei auf meinem PC bekommt. Dass man sich mit einer der Geschichten intensiver auseinandersetzt, kann schon ein Indiz dafür sein, die richtige Idee gefunden zu haben.

Hier ein Beispiel, wie so eine Notiz auf der Liste aussehen könnte:

Wesen, das sich mit Mensch vermählen muss, um eine Seele zu bekommen. Dieses Wesen könnte den Menschen mit seiner Fähigkeit töten. Sie verlieben sich.

Das ist ein bisschen grob formuliert, aber dennoch erinnere ich mich an die Bilder, die ich im Kopf hatte, als ich das notiert habe. Als nächsten Schritt könnte man sich Fragen zu diesem kurzen Pitch stellen und diese beantworten:

Wieso braucht das Wesen eine Seele?
Wer ist der Charakter, den das Wesen für sich gewinnen möchte? 
Sind die beiden verfeindet? Hat das Wesen deshalb keine Skrupel, diesen Menschen für seine Zwecke auszunutzen?

Je mehr Fragen man beantwortet, desto weiter denkt man und desto mehr Substanz bekommt die Geschichte. In diesem Schritt könnte man vielleicht auch schon nach Namen für die Charaktere suchen, falls man diese nicht sofort weiß, damit die Bilder vor Augen greifbarer werden. Das könnte dann beispielsweise so aussehen:

Das Wesen ist eine Undine, die bekannt dafür sind, erst eine Seele zu bekommen, wenn sie sich mit einem Menschen vermählen. Samantha ist auf eine Seele angewiesen, weil sie sterblich werden möchte und dies erst durch die Seele eines Menschen möglich werden kann. Deshalb will sie den kaltherzigen Augustus für sich gewinnen. Er ist ein Undinen-Jäger und hat schon unzählige ihresgleichen getötet, weshalb es ein großer Triumph für Sam wäre, seine Seele zu stehlen. Doch dann lernt sie Augustus kennen. Und realisiert, dass auch er sich seine Geschichte nicht aussuchen durfte …

So oder so ähnlich könnte eine erste Formulierung für eine Idee aussehen. Das ist nur der Anfang, man kann sich hier austoben und zunächst alles aufschreiben, was einem durch den Kopf geht, verschiedene Wege ausprobieren und dem eigenen Kreativfluss freien Lauf lassen. 

Szenen schreiben

Manchmal hat man bei einer Idee direkt bestimmte Szenen im Kopf. Wenn das der Fall ist, kann man schon versuchen, diese auszuformulieren. So bekommt man gleich einen Eindruck für den Tonfall und die Stimmung der Geschichte sowie die Art von Konflikten, die zwischen den Charakteren bestehen. Ich hatte schon Ideen, bei denen es beim Schreiben von den ersten Szenen gar kein Halten mehr gab. Nach einer Weile hatte ich mehrere tausend Wörter, die ich bloß noch in die richtige Reihenfolge bringen musste und die mir ein Gerüst geboten haben, als ich mich an den Roman gesetzt habe. Wenn es förmlich in den Fingern kribbelt und man sich gar nicht zurückhalten kann, ist das ein gutes Anzeichen dafür, eine Idee gefunden zu haben, mit der man sich längere Zeit beschäftigen und die man vielleicht sogar ganz schreiben kann.

Ranking aufstellen

Hat man die Ideen ausformuliert, vielleicht sogar für alle ein paar Szenen geschrieben und weiß immer noch nicht, welche Geschichte man als nächstes schreiben möchte, wäre es eine Möglichkeit, eine Tabelle zu erstellen und die Ideen zu bewerten. Auf diesen Tipp hat mich eine Freundin gebracht, als ich ihr von meinem Dilemma mit fünf verschiedenen Ideen erzählt habe. Ich hatte auf alle davon Lust und ich wusste nicht, an welche davon ich mich zuerst setzen sollte. Meine Freundin hat mir gesagt: „Wir machen das jetzt ganz einfach. Du wirst jede dieser Ideen mit ein bis fünf Sternen bewerten.“

Obwohl ich auf den ersten Blick auf alle der Ideen Lust hatte, war das Ergebnis am Ende eindeutig. Auf eine Idee hatte ich mehr Lust als auf alle anderen, sie war nämlich die einzige, die fünf volle Sterne bekommen hat. Manchmal kann es hilfreich sein, so ein Ranking aufzustellen. 

Auf das Bauchgefühl hören

In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass das eigene Bauchgefühl das allerwichtigste Werkzeug ist, das man benutzen kann. Denn nur man selbst weiß tief im Inneren, was für einen selbst das Beste ist. Auch, wenn es manchmal nicht ganz eindeutig ist, glaube ich, dass man als Autor oder kreativer Mensch einen Grundinstinkt hat, der einem sagt ob eine Idee sich gut und richtig anfühlt – oder eben nicht. Am allerwichtigsten ist der Spaß und die Begeisterung an der Sache. Denn nur wenn man das hat, kommt man in den Schreibfluss. Es ist das schönste Gefühl, wenn man so sehr von einer Geschichte gefangen ist, dass man gar nicht mehr aufhören möchte zu schreiben. Manchmal hat man dieses Gefühl nicht sofort und braucht erst Zeit, um an diesen Punkt zu kommen. Aber wenn man sich an eine Idee setzt, direkt Szenen vor Augen hat, Moodboards erstellen möchte, alle Lieder, die man hört, plötzlich auf die Geschichte bezieht, und es förmlich in den Fingern und im Bauch kribbelt, weil man unbedingt anfangen möchte – dann sind das alles gute Anzeichen, die richtige Idee gefunden zu haben.

Ich wünsche euch mit euren Ideen ganz viel Erfolg! Und wenn ihr selbst noch Tipps habt, schreibt sie gern in die Kommentare.

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6 Kommentare

  1. Liebe Mona,
    danke für diesen Blogpost und die vielen tollen Anregungen! Ich glaube so eine Handynotiz mit einer Ideen Sammlung werde ich mir auch zulegen 🙂
    Ich stecke gerade auch mitten in der Geschichtenplanung. Die Charaktere habe ich schon im Kopf und auch einige andere Elemente der Geschichte, doch mir fehlt noch ein „Konflikt“, irgendwas, das die Geschichte voranbringt und meine beiden Protas herausfordert. Bis jetzt will mir einfach nichts einfallen, aber vielleicht hilft mir ja die Notiz dabei! Hast du eventuell noch andere Tipps für mich? 🙂

    Liebe Grüße
    Bekky

    1. Hallo liebe Bekky,
      ich glaube, es kommt immer darauf an, wo deine Protagonisten hinmöchten, wo sie am Anfang stehen und was sie zu der Person, die sie am Ende sein sollen, unterscheidet. Wenn man zum Beispiel am Anfang jemanden hat, der seine Freunde vor sich selbst schützen möchte, oder vielleicht glaubt, dass er nicht gut genug ist, geliebt zu werden, gibt es da einige Steine, die demjenigen im Weg stehen, bis er an den Punkt kommen kann, wo er sich selbst akzeptiert und Leute dichter an sich heranlässt. Vielleicht kannst du Steckbriefe ausfüllen und dich genauer an deine Protagonisten setzen, um herauszufinden, was ihr innerer Konflikt sein könnte?
      Liebe Grüße
      Mona

  2. Wenn ich nur so viele Ideen hätte… Mein Problem ist seit langem nämlich, dass die Lust zum Schreiben da ist und auch irgendwo eine Idee ist, diese aber nicht rauskommt.
    Ich Versuche gerade einiges dafür, dass mein Herzensprojekt und ich wieder zusammenwachsen, da ich mir sicher bin, dass eine Freundschaft daran Schuld ist, dass ich aufgehört habe zu schreiben…
    Ich hoffe bald können Max, meine Protagonistin, und ich wieder auf gemeinsame Abenteuer gehen…

  3. Liebe Mona,

    immer wieder schön deinen News Letter zu erhalten oder einen Blogpost zu lesen. Deine neue Website sieht echt toll aus!:)
    Freue mich auf das nächste Buch von dir.

    Ganz liebe Grüße,

    Jule

  4. Liebe Mona,
    ich habe auch seit einiger Zeit eine grobe Idee im Kopf und hab auch schon den Prolog geschrieben. Nur leider ist die Idee viel zu grob und das macht es mir gerade schwer weiter zu schreiben. Ich habe sehr große Lust zu schreiben, leider hindert mich meine Schreibblockkade daran weiterzuschreiben. Hast du vielleicht Tipps gegen Schreibblockkaden?

    Liebe Grüße,

    Ronja

  5. Liebe Mona!

    Ich möchte nach meiner Schulzeit wahnsinnig gerne für einen Verlag arbeiten und auch Bücher mit meinen eigenen Ideen schreiben. Ich arbeite seit ein paar Wochen an einem Projekt, dass ich selbstständig gestartet habe, nämlich ein Buch zu schreiben. Anfang lief es gut und die Ideen sprudelten förmlich aus mir heraus. Seit kurzem aber, fehlt mir jegliche Inspiration und ich befinde mich in einer kompletten Schreibblockade. Hattest du sowas schon mal? Ich fühle mich total unter Druck gesetzt, weil ich unbedingt weiter schreiben möchte, aber entweder fällt mir nichts ein oder ich lösche die Kapiteln wieder, weil sie mir nicht gefallen. Momentan spiele ich mit dem Gedanken, ob ich zu jung und zu unerfahren bin, um ein eigenes Buch zu schreiben. Jedoch kann ich meine Emotionen und Gefühle freien Lauf lassen und ich empfinde so viel Freiheit beim Schreiben, dass ich es auf keinen Fall aufgeben möchte. Es klingt womöglich komisch, aber ich denke das Scheiben das ist, was ich in Zukunft machen möchte und ich vertraue darauf das ich das kann. Ich hoffe nur, dass ich gut genug dafür bin.
    Hast du Tipps gegen Schreibblockaden bzw. wann hast du das Schreiben für die entdeckt? Aja und nur das du es weißt, du machst einen großartigen Job und deine Bücher inspirieren mich sehr. Hab jedes deiner Bücher gelesen:)

    Alles Liebe
    Anna-Maria